Raiffeisens Vereine


Weyerbuscher Brodverein

Veranlasst durch die Not der Landbevölkerung gründete Friedrich Wilhelm Raiffeisen als Bürgermeister von Weyerbusch im Winter 1846/47 den Brodverein „Verein für Selbstbeschaffung von Brod und Früchten“. Mit Hilfe einiger privaten Spenden kaufte er Mehl und konnte somit bar bezahlen .

In einem selbst errichteten Backhaus wurde das Brot gebacken, das als Vorleistungen an die Bedürftigen verteilt wurde. Mit seiner Initiative verwirklichte Friedrich Wilhelm Raiffeisen erstmals in moderner Form die Idee der Selbsthilfe von Menschen in einer festen Gemeinschaft, somit war der Genossenschaftsgedanke geboren. Im Jahr 2019 wurde ein neuer Brodverein im Sinne Raiffeisens in Weyerbusch gegründet, aktuelle Informationen hierzu finden Sie hier


Flammersfelder Hülfsverein

Im Dezember 1849 gründete Raiffeisen mit etwa 60 wohlhabenden Bürgern den Flammersfelder Hülfsverein zur Unterstützung armer Landwirte. Dieser sollte keinen akuten Mangel beheben, sondern grundlegende Probleme. Im Gegensatz zur Initiative in Weyerbusch beschloss der Verein Statuten, die u. a. die gemeinsame Haftung seiner Mitglieder vorsahen.

Der Verein sollte den „Viehwucher“, d. h. den zu teuren Verkauf von Rindern auf Kredit, unterbinden. Dazu erwarb er zunächst selbst Vieh, ging aber bald zur Vergabe von fünfjährigen Darlehen an Bauern über zu einem gängigen Darlehenszins von 5 %. Dabei fiel es Raiffeisen anfangs schwer, einen Geldgeber für den Verein zu finden – trotz dessen illustrer Gründungsmitglieder.

Bald konnten weitere Bürger dem Verein beitreten, und zur Kredit- kam eine Sparkasse. Innerhalb von fünf Jahren vergab der „Hülfsverein“ über 500 Darlehen in Höhe von fast 12000 Talern. Viele Erfahrungen, die Raiffeisen in Flammersfeld machte, flossen in seine 1866 gedruckten Vorstellungen über die Darlehnskassen ein – so die Kassenverwaltung durch einen bezahlten „Rechner“, während Vorstand und Verwaltungsrat ohne Vergütung tätig sein sollten.


Heddesdorfer Wohltätigkeitsverein

Im Mai 1854 gründete Raiffeisen, wieder mit wohlhabenden Bürgern den Heddesdorfer Wohltätigkeitsverein und wurde hierbei auch direkt zum Vorsteher gewählt. Von den vielen Vereinszwecken hatte die Kreditkasse den größten Erfolg. Sie war weit effektiver als der Hülfsverein in Flammersfeld und verzeichnete in zehn Jahren fast 1.500 Darlehen von fast  55000 Talern.

Die Darlehenskassen-Vereine übernahmen Geldgeschäfte und führten den landwirtschaftlichen Warenhandel in besonderen Abteilungen durch. Es entstanden Warengenossenschaften, Vertriebsgenossenschaften, Molkerei, Vieh und auch Winzergenossenschaften.


die landwirtschaftlichen Vereine

 

In den Orten Heimbach, Waldbreitbach, Asbach, Dierdorf, Urbach, St. Katharinen, Morsbach befanden sich Landwirtschaftliche Vereine. Diese waren dem Dachverein des Landwirtschaftlichen Vereins für Rheinpreußen angegliedert. 

Die schnelle Verbreitung seiner Idee verdankte Friedrich Wilhelm Raiffeisen vor allem der Initiative dieses Dachverbandes.

Im Jahr 1868 errichtete der Landwirtschaftliche Verein Rheinpreußens sogar eine besondere Hilfsabteilung für die Darlehnskassen und übertrug Raiffeisen die Ressortleitung. Raiffeisen wurde ein Forum zur Verbreitung seiner Ideen durch diese Vereine zur Verfügung gestellt. Wesentlichen Anteil daran hatte der Generalsekretär des Dachverbandes von Rheinpreußen, Herr Thilmany. Er warb sehr intensiv für die Verbreitung der Darlehnskassen-Vereine. 

Bereits wenige Jahre nach Gründung der ersten Genossenschaften baute der Landwirtschaftliche Verein für Rheinpreußen mit Raiffeisen als Direktor die erste Einrichtung zur Betreuung der Genossenschaften auf regionaler Ebene auf.

So arbeiteten bereits 1870, vier Jahre nach Erscheinen seines Buches über die Darlehnskassen, 75 Vereine in der Rheinprovinz nach diesem Muster. 1877 entstand der Anwaltschaftsverband ländlicher Genossenschaften als erster Spitzenverband der ländlichen Genossenschaften. Um die Vorteile des gemeinsamen Bezugs für die Genossenschaften zu nutzen, gründete Raiffeisen 1881 eine Handelsgesellschaft und damit die erste Warenzentrale. Gleichartige Gründungen in anderen Regionen folgten.  So arbeiteten bereits 1870, vier Jahre nach Erscheinen seines Buches über die Darlehnskassen, 75 Vereine in der Rheinprovinz nach diesem Muster