Bürgermeister


Weyerbusch 1845-1848

Anfang 1845 wurde Raiffeisen im Alter von 27 Jahren zum Bürgermeister in Weyerbusch berufen, wor er bis 1848  Bürgermeister der Gemeinde Weyerbusch im Westerwald war. Sein erstes Amtsjahr war gleich von einer enormen Hungersnot gekennzeichnet, der er mit praktischer Hilfe begegnete und mit Hilfe einiger finanziell besser gestellter Bürger zum reduzierten Preis und auf Schuldschein Getreide an ärmere Einwohner ausgab.

1845 heiratete er Emilie Storck, die Tochter eines Apothekers aus Remagen welche 1863 starb. Raiffeisen war Vater von sechs Töchtern und Sohn Rudolf.   Seine älteste Tochter Amalie,  geboren 1846 unterstützte Raiffeisen später beim Aufbau der Raiffeisen Organisation. In zweiter Ehe war Raiffeisen mit Marie Panseroth geb. Fuchs verheiratet. 

In der Hungersnot1846/47 gründete er den Brotverein in Weyerbusch. Er war hier sehr beliebt und setzte sich für den Bau von Schulen und einer für die Region sehr wichtigen Straße ein. Weitere Informationen über Weyerbusch bitte hier klicken


Flammersfeld 1849-1852

1849 wurde er nach Flammersfeld versetzt, er war hier bis 1852 Bürgermeister mit mehr als 30 Ortschaften im Amtsbezirk Flammersfeld. Er entwarf eine Umweltschutzverordnung, die es verbot, Abfälle auf öffentliche Wege zu entsorgen. 1849 erkannte Friedrich Wilhelm Raiffeisen die Notwendigkeit des Ausbaus eines zweiten Verkehrsweges an den Rhein, um der Landbevölkerung weitere Absatzgebiete für ihre Waren zu erschließen.  Er veranlasste daher den Straßenbau zwischen Flammersfeld, Asbach und Honnef.

Durch Zahlung des Bürgereinkaufsgeldes bei Zuzug an die Gemeinde konnte der Neubürger bestimmte Rechte auf z. B. Bau- und Feuerholz, Bruchsteine für den Hausbau erwerben.  Damit war jedoch auch die Pflicht zu gemeinschaftlichen Dienstleistungen verbunden. Raiffeisen setzte sich in allen Gemeinden seiner Bürgermeisterei für die Durchsetzung dieser Regelung der preußischen Gemeindeordnung ein.

Am 1. Dezember 1849 gründete Raiffeisen den “Flammersfelder Hülfsverein zur Unterstützung unbemittelter Landwirte”.
60 besser gestellte Bauern waren auf sein Drängen hin bereit, mit ihrem Gesamtvermögen zu haften, damit notleidende Bauern nun durch günstige Kredite eigenverantwortlich als Viehkäufer auftreten konnten.  Der Hülfsverein wurde gezielt gegen das Wucherunwesen gegründet, um die “Güterschlächterei” durch Wucher zu beenden.

Raiffeisen koordinierte zusammen mit Pfarrer Müller von der evangelischen Kirche die gesamte kirchliche und kommunale Armenfürsorge.  Dies war ein erster Ansatz im Bemühen um eine umfassende soziale Absicherung. Weitere Informationen über Flammersfeld bitte hier klicken


  Heddesdorf 1852-1865

Im September 1852 trat Raiffeisen seinen Dienst in Heddesdorf an. Hier lebten in 14 Gemeinden fast 9.000 Einwohnern,  doppelt so viele Menschen wie in Flammersfeld.  1853 kam Raiffeisens einziger Sohn Rudolf zur Welt. 1855 folgte Tochter Bertha.

In Heddesdorf setzte Raiffeisen den Ausbau der Rheinstraße fort, sodass man schließlich wetterunabhängig mit einem Fuhrwerk von Weyerbusch bis Neuwied reisen konnte. Im Mai 1854 gründete er, wieder mit wohlhabenden Bürgern ua mit Albert Remy, den Heddesdorfer Wohltätigkeitsverein und wurde dessen Vorsteher. Von mehreren Vereinszwecken hatte die Kreditkasse den größten Anteil. Sie war noch effektiver als die in Flammersfeld und verzeichnete in zehn Jahren fast 1.500 Darlehen von fastt 55.000 Talern.

1863 verstarb Raiffeisens Frau Emilie nach einem Herzleiden. Tochter Amalie, gerade 16 Jahre alt, musste sich nun um ihre jüngeren Geschwister kümmern. Raiffeisens Gesundheitszustand verschlechterte sich nunmehr erheblich, sodass er 1865 bereits frühpensioniert wurde. Seine karge Pension von 444 Talern pro Jahr reichte nicht um seine Familie zu ernähren. Er versuchte eine Zigarrenfabrikation aufzubauen, leider ohne Erfolg, wobei er dann erfolgreicher mit einer Weinhandlung war.