Friedrich Wilhelm Heinrich Raiffeisen

lebte vom 30. März 1818 bis zum 11. März 1888, und starb kurz vor seinem siebzigsten Geburtstag in Neuwied Heddesdorf.

F.W. Raiffeisen  war ein deutscher Sozialreformer und Kommunalbeamter. Er gehört zu den Gründern der genossenschaftlichen Bewegung in Deutschland und ist der Namensgeber vieler verschiedenen Raiffeisenorganisationen.

 

Geboren wurde Friedrich Wilhelm Raiffeisen am 30. März 1818 in Hamm an der Sieg als siebtes von neun Geschwistern. Sein Vater Gottfried war Landwirt und Bürgermeister von Hamm, wurde nach Raiffeisens Geburt krank und musste sein Amt aufgeben und waren seitdem von Raiffeisens Mutter Amalia Einkünften abhängig unddadurch auch sehr arm. Er besuchte die Elementarschule, wobei er auch Privatunterricht von seinem Patenonkel, dem Pfarrer Georg Wilhelm Seippel erhielt. 

 

 

Bereits mit 17 Jahren meldete er sich freiwillig zum Militär, zur 7. Artilleriebrigade in Köln. Das ermöglichte es ihm später, an der Inspektionsschule in Koblenz eine Ausbildung zum Munitionsfachmann zu machen. Später wurde er dann 1840 in der Eisengießerei Sayn und wieder in Köln eingesetzt. Eine Augenerkrankung machte ihm sehr zu schaffen, was ja auch später zu seiner fast völligen Erblindung führte. Dieses Leiden, im Jahre 1843 war bereits soweit fortgeschritten, dass er aus dem Militärdienst ausschied. Nunmehr erhielt er bei der Regierung in Koblenz die Möglichkeit einer Weiterbildung zum Verwaltungsbeamten, wo er bereits im Herbst 1843 zum kommissarischen Kreissekretär für Mayen ernannt wurde

Emilie-Storck
Anfang1845 wurde Raiffeisen im Alter von 27 Jahren zum Bürgermeister in Weyerbusch berufen, wo er dann auch im selben Jahr die Apothekertochter Emilie Storck aus Remagen heiratete. In Weyerbusch war er sehr beliebt und setzte sich für den Bau von Schulen und einer für die Region sehr wichtigen Straße ein. 
Im Frühjahr 1849 wurde er als Bürgermeister in den mehr als 30 Ortschaften umfassenden Amtsbezirk Flammersfeld versetzt, bevor er dann im Herbst 1852 als Bürgermeister von Heddesdorf eingesetzt werden sollte.

 

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Gesundheitlich inzwischen immer mehr beeinträchtigt, war er bei der täglichen Arbeit für die Verbreitung seiner Genossenschaftsideen bald stark auf die Hilfe seiner ältesten Tochter Amalie (1846 – 1897) angewiesen.

Scherzhaft von ihm auch als seine Geheimsekretärin betitelt, musste sie ihm Briefe und andere Schriftstücke vorlesen und seine Korrespondenz führen. Später forderte er sogar von ihr, wegen der Bedeutung ihrer Arbeit für sein Genossenschaftswerk, auf eine geplante Ehe zu verzichten.

Ein Wunsch, dem Amalie am Ende auch nachkam. Raiffeisen selbst hatte sich zwar 1868 mit der Witwe Maria Panserot ein zweites Mal verheiratet, doch die angeblich recht spirituell eingestellte Frau – mit der er auch keine weiteren Kinder hatte – war ihm bei seiner Arbeit offenbar keine Hilfe.

 

1886 war Raiffeisens Gesundheitszustand schließlich derart angegriffen, dass er mit Wirkung vom 1. Mai 1886 von allen seinen Ämtern zurücktrat – wenn auch nur für kurze Zeit. Denn sein Nachfolger wurde schon im August desselben Jahres krank, weshalb Raiffeisen wieder antrat. Nur wenige Monate später zog er sich jedoch eine Lungenentzündung zu, die ihm schwer zusetzte.

 

Zwar konnte er sich davon noch mal erholen, doch viel Zeit war ihm nicht mehr vergönnt. Ein gutes Jahr später verstarb Friedrich Wilhelm Raiffeisen am Mittag des 11. März 1888 in Heddesdorf bei Neuwied. Drei Tage später wurde er auf dem dortigen Friedhof in einem Familiengrab beerdigt.

 

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Über die Trauerfeierlichkeiten berichtete wenige Tage später das Landwirtschaftliche Genossenschaftsblatt. Groß war die Anzahl Derer, die Vater Raiffeisen auf seinem Letzten Gang begleiteten, aber noch unendlich größer ist die Zahl Derjenigen, die seinen Tod mit uns betrauern, überall da, wo man Verständnis hat für wahre Menschenliebe. Sind doch zahllos die Nachrufe, welche ihm in der Presse aller Länder gewidmet werden. 

So waren zum Zeitpunkt seines Todes bereits über 400 Spar- und Darlehenskassen aktiv, und sein Name wurde zum Synonym für die ländlichen Genossenschaften, heute noch lebt Raiffeisens Andenken weiter und es wird ihm weltweit Respekt gezollt.

 

Nach ihm sind zahlreiche Schulen, Straßen, Gebäude und die Raiffeisenbanken benannt. 1968 wurde eine 5-DMMünze zu seinen Ehren herausgegeben, 2016 wurde die Genossenschaftsidee in die Repräsentative Liste des Immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen.

 


 

Friedrich Wilhelm Raiffeisen Büste in Wien